Die vier Stufen des Lernens

In diesem Artikel führe ich dich durch die vier Stufen des Lernens und mit welchen Strategien Du dein Lernphasenmodell gestaltest.

Die vier Stufen des Lernens
Andreas Diehl
From dno

Das Lernphasenmodell (Phasenmodell der Kompetenzentwicklung, engl. Conscious Competence Model) unterscheidet vier Stufen des Lernens:

  1. Unbewusste Inkompetenz
  2. Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß.
  3. Bewusste Inkompetenz
  4. Ich weiß, dass ich nichts kann.
  5. Bewusste Kompetenz - Ich kann es und weiß wie es geht.
  6. Unbewusste Kompetenz
  7. Autopilot, ich mache etwas unbewusst richtig.

In diesem Artikel führe ich dich durch die vier Stufen des Lernens und zeige dir, mit welchen Strategien Du dein Lernphasenmodell gestaltest.

Schaubild: die vier Stufen des Lernens
Die vier Phasen des Lernens - Quelle: eigene Darstellung

Herkunft des Lernphasenmodells

Das Lernphasenmodell wird oftmals Albert Bandura zugeschrieben, die Darstellung deswegen auch als “Bandura Kurve” bezeichnet. Jedoch wurde das Phasenmodell der Kompetenzentwicklung (engl. Conscious Competence Model) von unterschiedlichen Experten seit 1960 immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Dennoch spielt Albert Bandura mit seinen Überlegungen zum “Lernen am Modell” einen Beitrag, wie Du aus unbewusster Inkompetenz eine unbewusste Kompetenz machen kannst.

Unbewusste Inkompetenz

Auf der ersten Stufe des Lernphasenmodells weiß ich nicht, dass ich etwas nicht weiß. Diese Phase des Lernens ist besonders tückisch, weil mir die Inkompetenz gar nicht bewusst ist. Das führt dann mitunter zum bekannten Dunning Kruger Effekt, bei dem Ahnungslose besonders laut vom “Gipfel der Ahnungslosigkeit" posaunen.

Ein Grund für unbewusste Inkompetenz und die sprichwörtlich “blinden Flecken” sind z.B. fehlende mentale Modelle. So begegnet mir in der Beratung regelmäßig ein blinder Fleck bei der Gestaltung von Zusammenarbeit und Organisationen. Diese Überlegungen sind stark geprägt vom Denken in Abteilungen, Effizienz und Hierarchien. Alternative Modelle wären z.B. crossfunktionale Teams, Selbstorganisation oder das Denken in agilen Rollen. Jedoch werden diese Alternativen gar nicht als Option herangezogen, sie sind weitgehend unbekannt. Eine unbewusste Inkompetenz, ein blinder Fleck des Managements. Mit den folgenden Strategien kannst Du diese unbewusste Inkompetenz überwinden:

Bewusste Inkompetenz

Die zweite Stufe des Lernens ist mitunter ungemütlich und schmerzhaft. Denn jetzt ist mir klar, dass es etwas gibt, das ich können möchte, aber noch nicht kann. Natürlich kann es auch vorkommen, dass dich diese bewusste Inkompetenz gar nicht weiter stört. Weil es dir nicht wichtig ist, eine bestimmte Fähigkeit zu beherrschen. Wenn meine Tochter mir z.B. einen Radschlag ohne Hände vorführt, dann will ich das gar nicht können. Diese unbewusste Inkompetenz nehme ich gerne in Kauf und erfreue mich an der bewussten Kompetenz meiner Tochter.

Am Übergang von der bewusste Inkompetenz zur bewussten Kompetenz gibt es nun mehrere Lernstrategien:

  • Vormachen lassen, einfaches Nachahmen (ShuHaRi)
  • Einen Coach / Experten hinzuziehen und um Feedback bitten
  • Das vier Stufen Modell der Ausbildung anwenden bei praktischen, gewerblichen und psychomotorischen Fähigkeiten
  • Üben, Üben, Üben

Das Schwierige in dieser Stufe des Lernens ist das Dranbleiben und den Frust auszuhalten, der mit Fehlschlägen einhergeht. Kinder haben diese Begabung noch eher, Erwachsene und Unternehmen müssen dann eine entsprechende “Fehlerkultur” entwickeln.

Schaubild: Das klassische vier Stufen Ausbildungsmodell
Das klassische vier Stufen Ausbildungsmodell. Quelle: Eigene Darstellung.

Bewusste Kompetenz

Auf der dritten Stufe des Lernphasenmodells habe ich mir eine neue Kompetenz angeeignet. Diese neu erworbene Fähigkeit musst Du zu Beginn noch konzentriert und bewusst ausführen. Durch viele Wiederholungen fertigst Du Abläufe und Routinen. Auch in dieser Phase des Lernens gibt es unterschiedliche Strategien um die Kompetenz dauerhaft zu festigen:

  • Viele Wiederholungen, permanente Praxis
  • Feedback durch Coaches und Trainer
  • “Deliberate Practice”, das kontrollierte und bewusste Wiederholen mit vielen Feedbackschleifen

Dabei hat der schwedische Psychologe Anders Ericsson festgestellt, dass Du ca. 10.000 Stunden Praxis, viel Feedback und eben “Deliberate Practice" benötigst, um zu einem wirklichen Experten und Top-Performer zu werden.

Unbewusste Kompetenz

Auf der letzten Stufe des Lernens bist Du Experte und kannst eine Fähigkeit anwenden, ohne darüber nachzudenken. Dabei ist ein großer Unterschied zur bewussten Kompetenz, dass Du gar nicht erklären kannst, wie es geht. Einfach weil dir die genauen Abläufe nicht bewusst sind. Du fühlst es, Du machst und kannst es einfach. Ein gutes Beispiel für eine unbewusste Kompetenz ist das Laufen. Versuche doch einmal ein Ablaufprogramm zu schreiben, wie Du läufst. Das Laufen lernen ist auch ein gutes Beispiel für das von Albert Bandura entwickelte “Lernen am Modell”. So ahmen Kinder einfach andere Kinder und Erwachsene nach, lernen das Sprechen, Laufen und weitere wichtige Kompetenzen durch reine Nachahmung.  Auf dieser Kompetenzstufe ist es entsprechend auch die “Krönung”, wenn Du dein Erfolgsrezept kodieren und modellieren kannst, um es als “bewusste Kompetenz” auch anderen zu vermitteln.

Die vier Stufen des Lernens am Beispiel Fahrrad fahren
Die vier Stufen des Lernens am Beispiel Fahrrad fahren - Quelle: Eigene Darstellung

Fazit - Das Lernen wieder lernen

Lernen wird uns als universelle Metakompetenz in die Wiege gelegt. Wir sind neugierig, beißen uns durch die frustrierende Phase der bewussten Inkompetenz und lernen wie die Weltmeister. Irgendwann verkommen wir aber zu reinen "Lern Konsumenten". Wir wollen alles mundgerecht serviert bekommen, mit ein wenig Feenstaub und einem Zertifikat zum Experten werden. Für echtes Lernen gibt  es aber keine Abkürzung. Du musst es wollen, deine Inkompetenz akzeptieren, dir Zeit nehmen, einen Coach holen und dich auf den Weg machen. Wahrscheinlich müssen wir also einfach “Das Lernen wieder lernen”.

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